28 Okt

#Wette #Pascalgymnasium #Unescowelterbestätten #Australien # Shark Bay

Im World Heritage Gebiet Shark Bay gibt es an 1500 km Küstenlinie so viel zu entdecken, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen. Die letzen Tage waren so dicht gepackt mit Erlebnissen und Eindrücken, dass ich beschlossen habe beim Erzählen alphabetisch vorzugehen:

Denham
Das kleine Städtchen Denham mit seiner schönen neu gestalteten Promenade war unser Ausgangspunkt für die Tour in den Francois Peron Nationalpark. Die Sehenswürdigkeiten Denhams – ein tolles Visitor Center, das Pearlers Restaurant und die anglikanische Kirche gebaut aus Coquina (s.u.), der Jetty und ein paar Tafeln zur Geschichte der Perlenkocher und der Peron Station – sind schnell abgelaufen. Das Highlight für uns war der sich in allen Gelb-, Orange-, Rot und Brauntönen abspielende Sonnenuntergang und die Bäckerei mit den wohl leckersten Eclairs die ich je gegessen habe. Noah war ganz beseelt vom hiesigen Spielplatz – auf dem es das erste mal Geräte gab, mit denen er auch schon etwas anfangen konnte.

Francois Peron Nationalpark
Im Norden der Shark Bay erstreckt sich der Francois Peron Nationalpark. Da hier nur sandige Tracks über die Halbinsel führen, haben wir uns eine Tour gebucht. In einem 4WD-Jeep ging es also 100 km Detour nur für uns – da wir ja mit Noahs Kindersitz schon 3 der verfügbaren 4 Plätze gebucht hatten – durch den Nationalpark. Direkt am Parkeingang konnten wir schon etwas über das Luftablassen der Räder für Fahrten auf Sand lernen, dann ging es weiter mit Erzählungen über Flora und Fauna, für die unser Guide Jens – in Australien duzt man sich auf Reisen eigentlich immer – auch mal eine Vollbremsung einlegte und wir für ein Foto verschiedener Echsen wie den Blue-Tongued Skink (Blauzungenskink) aus dem Auto springen konnten.
Die Erzählungen unseres Guides kam mir irgendwann so vertraut vor, dass ich ihn fragte ob er das Naturzeitbuch – unsere Bibel für Flora, Fauna und Geologie der Nationalparks – geschrieben habe. Ja klar! Was für eine Überraschung, wir saßen mit Jens Mohr im Auto und nun hörten wir spannende Geschichten über 20 Jahre Reisen in Australien, das Schreiben von Reiseführern über den roten Kontinent und was letztendlich zum Auswandern geführt hat.
Der unvergesslichste Anblick im Francois Peron Nationalpark sind die roten Sandsteinklippen, die direkt in das türkisblaue Meer fallen. Bei kleinen Wanderungen über die Dünen, den Strand und die Klippen konnten wir auch Kolonien von hunderten Komoranen bestaunen und aus der Vogelperspektive Haie, Schildkröten und Rochen in verschiedenen Farben und Größen beobachten.
Direkt am Eingang zum Park und gerade noch mit unserem 2WD-Camper erreichbar, liegt das ehemalige Peron Homestead, in dem einst Schafe zur Wolleproduktion gehalten wurden. In den alten Anlagen kann man den Weg der Tiere zum Scheren, Markieren und Desinfizieren sowie die Klassifizierung, die Verpackung und den Transport der Wolle nachvollziehen und die ehemaligen Arbeiterunterkünfte betrachten. Ein kleines Highlight ist die Hot Tub – eine heiße Quelle, die heute einen kleinen Pool füllt, in dem man bei 42°C beim Baden ziemlich gut aufgeheizt wird. Wir haben es zu Dritt genossen an unserem Hangover-Tag nach der Besichtigung aller Shark Bay World Heritage Sehenswürdigkeiten hier zu relaxen.

Hamlin Pool
In Hamlin Pool gibt es außer einer Rezeption eines Caravanpark, die zugleich Restaurant, Shop und Touristeninfo ist, sowie einem alten Telegraphenhäuschen – heute Museum – eigentlich sonst nicht viel. Wären da nicht die Stromatoliten, die ältesten Lebewesen unseres Planeten, auf den Plan getreten, kurz nach dem Urknall waren diese ersten Bakterien für die Bildung der Atmosphäre verantwortlich. Üblicherweise sieht man ja von Bakterien mit dem bloßen Auge nicht allzu viel, hier aber stehen sie wie Steine anmutend im Wasser. Das es sich um Lebewesen handelt, sieht man daran, dass die Bakterien mit einer Geschwindigkeit von 1 cm pro 30 Jahren organisches Material und Sediment umbauen und sich einen Lebensraum schaffen. Diese „Steine“ produzieren Sauerstoff, das sieht man an den aufsteigenden Luftbläschen.

Vom Caravanpark aus haben wir eine kleine Wanderung zu den Stromatoliten unternommen, dabei sind wir auch durch ein ehemaliges Abbaugebiet von Coquina gekommen. In Ermangelung an Baumaterialien, haben die ersten europäischen Siedler nach Alternativen zum Bauen gesucht. In Gebiet der Shark Bay ist das Wasser dreimal so salzhaltig wie sonst im Indischen Ozean, das führt dazu, dass die Cockleshell (Herzmuschel) rasend schnell wächst. Es gibt Bereiche in der Shark Bay, wo der Strand nur aus diesen abgestorbenen Muscheln besteht. Wenn in die bis zu 10 Meter dicke Muschelschalenschicht Regenwasser eindringt und die Muschelschalen beginnt aufzulösen, verbacken bei Trocknung die Muscheln zu einem festen Block, aus dem man mit Sägen Quader zum Hausbau herausschneiden kann. Die Kirche und das Pearlers Restaurant in Denham bestehen zum Beispiel noch aus diesem Baumaterial.

Monkey Mia
Monkey Mia bekommt zwar in Landkarten eine eigene Siedlungssignatur, ist aber genau genommen kein Ort, sondern ein Resort, das ziemlich gut seine morgendlichen Delphinfütterungen – unter Aufsicht von Rangern versteht sich – zu vermarkten weiß. Uns hat in erster Linie die Suche nach Dugongs hierher geführt.
Nach unserer Ankunft auf dem Monkey Mia Caravanpark haben wir einen kleinen Spaziergang unternommen um zu schauen, ob auch ohne Fütterung Delphine vom Strand aus zu sichten sind. Dabei sind wir auf eine Gruppe Pelikane am Strand angetroffen, die ein angelndes Pärchen umlagerten – wohl in der Hoffnung etwas vom Fang abzubekommen.

Am nächsten Morgen haben wir zunächst die Fütterung der wilden Bottlenose Dolphins (Tümmler) besucht. Früher konnten die Tiere vom Strand aus von Jedermann gefüttert werden. Dabei gab es aber keine Kontrolle, wie viel Fisch die Delphine gefüttert bekamen. Die Gefahr bestand, dass sie ihr natürliches Jagdverhalten verlieren und es auch ihren Jungtieren nicht mehr beibringen können. Bei den Nachfahren dieser Delphine, die regelmäßig den Strand besuchen, wird nun genau kontrolliert, welche Tiere gerade zum Strand kommen. Es wird ihnen nur so wenig Fisch gefüttert, dass sie noch selber jagen müssen. Nun ja…Wir hatten das Glück, dass die Delphine uns schon am Strand entlang vom Caravanpark zum Jetty begleitet haben. Die Fütterung selber ist eine Show mit sehr vielen Besuchern – auch in der Nebensaison. Eigentlich ist Tierfütterung und „Nase Platt drücken“ nicht so unser Fall.

Auf der anschließenden Bootstour mit einem Katamaran in der Bucht vor Monkey Mia, haben wir dann auch die seltenen Dugongs gefunden! Die Bucht ist nur maximal 2,5 Meter tief und zu großen Teilen mit Seegras bewachsen – beste Futtervoraussetzungen für Dugongs. Dugongs können 7 Minuten lang die Luft anhalten und tauchen auch dann nur sehr kurz zum atmen auf. Aber wir haben mehrere entdeckt und konnten sie beobachten. Mittlerweile stabilisiert sich die Population wieder. Nach einem Temperaturanstieg des Wassers in der Shark Bay und einem Rückgang des Seegras haben die Dugongs hier keine Jungen mehr bekommen. Dieses Jahr war das erste seit 4 Jahren mit Jungtieren

Shell Beach
Am Schönsten sieht man den Cockleshellstrand am gleißend weißen Shell Beach. In sanften Wellen zieht sich ein Meer aus winzigen Muscheln vom Carpark bis in die Bucht von Shell Beach. Statt mit Sand läuft, liegt, gräbt und spielt man hier mit tausenden kleiner Herzmuscheln.

In diesem Sinne herzliche Grüße an alle zu Hause
und allzeit gute Reise für alle Globetrotter!
Eure

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