Elternzeitreise

Ein Traum geht in Erfüllung

„Wenn jemand zu dir sagt, das geht nicht. Denke daran, es sind seine Grenzen, nicht deine.“

Unser großes Projekt für das Jahr 2017 lautete, sich mit unserem Baby bekannt zu machen und den turbulenten Alltag als junge Familie zu meistern. Nachdem wir von allen Seiten gut „vorgewarnt“ waren, was Schlafmangel, durchwachte Nächte und Aufnahmefähigkeit junger Eltern betrifft, rechneten wir nicht unbedingt damit auch nach der Geburt unseres Sohnes weiterhin direkt unserer größten Leidenschaft, dem Reisen nachgehen zu können.

Überraschenderweise stellte sich dann aber alles anders ein. Worauf wir nicht vorbereitet waren, war ein durchschlafendes Kind, dass große Lust zeigt sich mit uns überall herumzutreiben und munter mit allen Leuten von unserem Arm aus zu „flirten“ oder sich von italienischen Omis und österreichischem Lift- und Restaurantpersonal herumzuwiegen und bestaunen zu lassen. Beste Voraussetzungen also um zunächst gedanklich in die Ferne zu schweifen und dann diese Pläne auch umzusetzen!

Unser zweites Projekt für dieses Jahr lautete also: Soviel zu reisen wie nur möglich. Dazu werde ich  im Kapitel „Erste Ziele-Weltenbummler werden“ schreiben.

Hier geht es um unsere größte Reise für dieses Jahr: Ein viertel Jahr im Campervan die Westküste Australiens erkunden. Mit unserer Elternzeitreise erfüllen wir uns einen lang gehegten Traum. Raus aus dem Job, dem Alltag, allem was bindet und rein in die Freiheit. Das bedeutet für uns Zeit zu Dritt – ohne Termindruck im Nacken-, wirklich Sommer und Sonne – ohne Klimastress durch den Tag-, keine (wirklichen) Pläne – treiben lassen und dennoch auf eigene Faust etwas entdecken und das ganze mit sportlichen Aktivitäten kombinieren. Perfekt!

Da wir bereits zu Zweit 2014 fünf Wochen lang im Campervan die Ostküste Australiens bereist hatten und von dieser Tour nach wie vor sehr beeindruckt und begeistert sind, stand unser Ziel für unsere Elternzeitreise schnell fest – Australien.

Die richtige Route wählen

Die genaue Route entstand durch ein Abwägen verschiedener  Punkte: Wollen wir etwas Neues sehen oder begeben wir uns in bekanntes Terrain? Wir haben uns mit der Westküste Australiens also für einen für uns unbekannten Abschnitt entschieden.

Von Darwin aus geht es Richtung Süden, über Broome und Coral Bay immer an der Küste entlang bis nach Perth. Über die Sehenswürdigkeite, Landschaften und Naturwunder denen wir auf unserer Route begegenen werden, werde ich im Blogteil von familiemitreiselust.de berichten!

Befestigte vs. Unbefestigte Straßen. Ein wichtiger Punkt bei der Auswahl der Streckenführung war für uns die Länge der Tracks – unbefestigter Straßen, die durch das Outback und viele Nationalparks führen- sowie die Länge der Strecke, die durch das Outback führt. Neben der teureren 4×4-Camperoption, möglichen Pannen, der Begegnung mit Roadtrains – zwischen 36,5 und 53,5 m langen und bis zu 4,6 m hohen  LKWs, die nicht gerade zimperlich über die Tracks preschen (Tempolomit zwischen 90 und 100 km/h) – und der sehr großen Entfernung zwischen besiedelten Gebieten, wollten wir uns dem extremen Klima in Wüstengebieten mit Baby nicht längere Zeit ohne Siedlung aussetzen.

Klima. Weiter zu bedenken galt das Klima. Auch wenn lapidar gesprochen in Australien während unserer Herbst- und Wintermonate Frühling und Sommer herrscht, ist es so einfach dann doch nicht. Australien hat Anteil an fast allen Klimazonen von den Tropen im Norden über die Subtropen und die gemäßigte Zone im Süden.

Während wir an unserem ersten Ziel Sydney im australischen Winter landen und  bis zu unserem Weiterflug nach Darwin ein paar Tage Zeit hier verbringen, erwarten uns im August hier Tagestemperaturen um die 18,5 °C und Tiefsttemperaturen um die 9,5 °C. Allerdings liegen die Sonnenstunden im Gegensatz zu unserer gemäßigten Breite hier bei 7,5 Stunden (wir kommen im Winter grade mal auf Werte zwishen 1,4 und 2,7 Stunden) und die Regentage belaufen sich auf gerade mal auf 6,8 Tage mit einem Monatsniederschlag von ca. 68 mm. Deutschland kommt auf etwa 11 Niederschlagstage mit Mengen zwischen 54 und 63 mm im Winter. Aus unserer europäischen Sicht sprechen wir also eher von frühlingshaften Verhältnissen.

Mit unserem Weiterflug nach  Darwin befinden wir uns in den Tropen. Diese weisen ja keinen ausgeprägten Jahreszeitenrhythmus auf. Bestimmend ist hier neben ganzjährig hohen Temperaturen zwischen 31 und 33 °C der Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Letztere dauert von Mai bis September an. Uns ging es bisher immer so, dass wir trockene Hitze besser vertragen konnten als schwül-feuchte.

Südlich von Broome verlassen wir das tropische Gebiet. Rundum Coral Bay erwarten uns Ende September/Anfang Oktober Tagestemperaturen um die 20 °C, nachts kann die Temperatur durchaus auf 10-11 °C absinken. Die Sonnenstunden bleiben mit etwa 8 nach wie vor hoch, aber auch die Regenwahrscheinlichkeit erhöht sich mit 12 Regentagen im Monat.

Rund um Perth erwarten uns Ende Oktober/Anfang November 23 bis 26 °C bei 9-10 Sonnenstunden am Tag und nur geringen Niederschlägen von 30-40 mm verteilt auf 6-9 Regentage.

Unser Plan ist es uns so langsam von Darwin aus Richtung Süden zu bewegen, dass wir vom Klima her immer die frühsommerlichen Temperaturen abpassen.

Reiseberichte machen Mut. Ein letzter ausschlaggebender Punkt für die Wahl der Westküste Australiens waren die Reiseberichte von Freunde und Bekannten, die mit und ohne Kind die Westküste bereits bereist hatten. Aus unserer eigenen Erfahrung an der Ostküste sowie aus diesen Berichten bestätigt sich, dass die Küstengebiete trotz ihrer dünnen Besiedlung hinsichtlich der Versorgung (Einkauf von Dingen des täglichen Bedarf, Telefon- und Internetabdeckung sowie medizinischer Versorgung), Campingplätzen und  touristischen Angeboten sehr gut erschlossen sind. Abgesehen davon waren alle Australier, die wir bisher kennenkernen durften sehr unterhaltsame, nette und prompt hilfsbereite Menschen.

Alle diese Punkte zusammen führten zu der momentanen Routenplanung.

Was spricht gegen Australien?

Allerdings sind einige Punkte  nicht zu unterschätzen und sollten bei der Reiseplanung gründlich überdacht und recherchiert werden.

Klima und Flugstrecke. Da wären zum einen die je nach Region und Jahreszeit extreme Hitze und die lange Flugstrecke zu nennen. Ein Stopover kann hier sinnvoll sein, zumal auf der Strecke interessante Ziele wie Abu Dhabi oder Singapur liegen.

Routenplanung. Außerdem sollte man die Fahrstrecke je Tag gut im Blick behalten – Babys und Kleinkinder haben nicht so viel von tollen Ausblicken aus dem Autofenster wie wir. Zudem sind sie in ihren Babyschalen und Kindersitzen schwitzanfälliger als wir Erwachsene. Kurze tägliche Etappen oder einzelne „Fahrtage“ mit anschließendem längerem Aufenthalt am Zwischenziel sind hier gute Optionen. Gerade im Norden sollten die frühen Morgenstunden zum Fahren genutzt erden, solange die Tagestemperaturen noch nicht ihr Maximum erreicht haben.

Camperauswahl. Diesen Punkt galt es für uns insbesondere auch bei der Camperauswahl zu bedenken. Insofern man sich für einen Camper als Reisegefährt entscheidet, stößt man als Familie auf zwei Probleme: Bettenlösungen, die für Babys und Kleinkinder nicht geeignet sind und Sitzmöglichkeiten, die am Ende des Wagens auf der Sitzbank untergebracht sind und somit von eventuell vorhandenen Klimaanlagen nicht profitieren. Über unsere Auswahl und die Ausstattung werde ich noch berichten.

Giftige Tiere. Dazu kommt, dass auf diesem Kontinent die giftigsten Tiere der Welt leben und ihre eigene Verhaltensregeln von uns Reisenden verlangen. An der Nord-/Westküste finden sich an Land der Costal Taipan (Küstentaipan) – eine dem Menschen gegenüber sehr scheue Giftschlange, deren giftiger Biss zu Muskellähmungen und Tot bei Nichtbehandlung führt.

Weiterhin gibt es die European Honey Bee (Honigniene) – bei wenigen Menschen löst ein Stich einen allergischen Schock aus, aber bei einem Schwarmangriff wirken die Stiche bei jedem Menschen lebensbedrohlich. Ein weiteres Beispiel giftiger Landtiere ist die Sydney Funnel-Web (Sydney Trichterspinne) – die tödlichste Spinne der Welt, die ein starkes Nervengift injiziert, zu dem es glücklicherweise ein Gegengift gibt.

Zu Wasser wäre der Blue Ringed Octopus (Blaugeringelte Krake) zu nennen – er ist nur etwa Handteller groß, hat aber Gift um etwa 10 Menschen zu lähmen. Der Reef Stonefish (Riffsteinfisch) tarnt sich als Korallenklumpen und wirkt durch sein Gift, dass durch Stacheln injiziert wird, lähmend.  Der Bull Shark (Bullenhai) wird  für uns Menschen beim Schwimmen deshalb so gefährlich, da er süsswassertolerant ist und sich auch in Flussmündungen aufhält.

Die Quallenarten Box und Irukandji Jellyfish (Seewespe und Irukandji) besitzen beide ein Nesselgift, dass Beim Box Jelly Fish verbrennungsartige Wunden hinterlässt, die Berührung beider Quallenarten wirkt sich auf das Nervenzentrum und muskellähmend aus. Zuletzt ist an dieser Stelle das Salt Water Crocodile (Salzwasserkrokodil) zu nennen, die wohl effektivste Killermaschine weltweit mit jährlichen  Opferzahlen auch in Australien.

Fazit

Trotz all der Risiken, die bei einer Reise mit Baby nach Australien bestehen, sind wir dennoch von unserem Projekt überzeugt. Es gibt auch ungefährliche Strände zum Baden, an der Ostküste zum Beispiel die Whitsundays -, ungefährliche Tierbegegnungen – wie mit Pelikanen – und eine faszinierende Kultur und Geschichte zu entdecken.

Gründe für eine Elternzeitreise.  Uns fallen einfach zudem nich weitere gute Gründe ein, einen Teil der Elternzeit auf einer Reise – wohin auch immer sie führt – zu verbringen:

  1. viel gemeinsame Familienzeit
  2. maximale Papa-Sohn-Zeit
  3. Entwicklungsschritte des Knirps können gemeinsam miterlebt werden
  4. Zeit genug, um eine Region/ ein Land wirklich zu bereisen
  5. Auszeit von Job und Alltag auch für die Erwachsenen
  6. Gewöhnung und Begeisterung für das Reisen von Anfang an
  7. Verlängerung des Sommer
  8. Ausreichend Zeit um sportliche Aktivitätrn neu zu erlernen oder Lieblingssport ausgiebig nachzugehen
  9. keine Bindung an vorgegebene Urlaubszeiten und Ferientermine
  10. und damit an Hauptsaisonpreise

Mit guter Vorbereitung und ein paar persönlich auferlegten Verhaltensregeln, blicken wir gespannt auf die nächsten 3 Monate. Die Aufregung steigt von Tag zu Tag und wir können es kaum erwarten zu starten!

Allzeit gute Reise!