16 Sep

Endlich Meer sehen!

Ankunft in Broome – ab jetzt sind wir am Meer
Heute war es soweit: Wir sind am Meer angekommen! Nach 3288 km sind wir nach 20 Tagen in Broome angekommen – damit haben wir nach momentaner Planung ein Drittel unserer Reiseroute zurückgelegt.
Soeben sind wir sehr spät und mitten in der Nacht – die Uhr zeigt 19:54 Uhr, so kommt einem das vor, wenn um 17:40 Uhr die Sonne untergeht – vom Strand zurückgekehrt. Nach einer zweistündigen Autofahrt von Derby sind wir in Broome angekommen und haben im Palm Grove Resort 5 Gehminuten vom Strand entfernt eingecheckt.
Nach einer kurzen Stippvisite bei Maui – es mussten mal wieder kleinere Reparaturen an unserem Reisemobil vorgenommen werden – gings auf Richtung Strand. Nach einem ersten gescheiterten Versuch über die Südzufahrt der Kavite Road – auch mitten in größeren Ansiedlungen wie Broome (17 000 Einwohner) gibt es unseald roads – sind wir dann mal eben Mitten auf dem Strand des Minyirr Conservation Park gelandet, weil wir die Einfahrt zum Parkplatz verpasst haben. Machte aber nichts, gut ein Dutzend Australier standen mit ihren Trucks neben uns am Strand zum Angeln, Baden und Sonne tanken.
Ein Stück weiter nördlich am Cable Beach sind wir dann nach einem kurzen Strandspaziergang und Check der Wassertemperaturen (angenehme 23°C) in unsere Badeklamotten gesprungen – das ist das praktische am Camperleben, man hat immer alles dabei – und haben uns in die Wellen gestürzt. Noah hatte einen riesigen Spaß mit Ulli durch die Wellen zu toben und anschließend den nassen Sand zu erkunden und darauf herumzukrabbeln. Nach einer guten Dreiviertelstunde Wasserspaß gings ab unter die Dusche, die an jedem öffentlichen Badestrand genauso wie gepflegte Toiletten vorhanden sind, und in warme Klamotten. Was für ein Erlebnis, das erste Mal ein Kind anzuziehen, dass etwas kühl, aber überglücklich brabbelnd erzählend vom Strand zurückkehrt.
Nach einer kleinen Zwischenmahlzeit für Noah, auch hier hat man im Camper ja immer alle Möglichkeiten dabei, bewunderten wir noch den wunderschönen Sonnenuntergang.
So ein alltägliches Phänomen, an dem wir uns einfach nie satt sehen können. Jedesmal gleich und doch immer anders. Diesmal in intensivsten Orangetönen, die sich im nassen Sand am Strand gespiegelt haben. Und ganz ohne Wolkenband am Horizont versank die Sonne – für Europäer gefühlt für einen Sommertag viel zu früh. Der perfekte Ausklang bildete das Essen im Zanders Restaurant, während der Himmel noch vom Sonnenuntergang nachglühte und so langsam seine Farbe ins dunkelblau und schwarz änderte.

Die Strecke Mable Downs bis Broome
Nach den Erlebnissen im Purnululu Nationalpark verliefen die letzten Tage etwas reizärmer – zum Glück, denn die Eindrücke der Bungle Bungle Range mussten wir erst einmal verarbeiten. Fahrtechnisch ist die Strecke zwischen Mable Downs und Broome wenig anspruchsvoll, das Highlight des Tages ist eine Kurve! Gefühlt gehen die Straßen um die 30 km ohne Abweichung geradeaus, dann wird leicht der Kurs korrigiert um weitere Kilometer um Kilometer geradeaus zu gehen. Gegenverkehr gibt es auch so gut wie keinen, 2 Roadtrains und 10 Autos pro Stunde ist viel. Momentan sehen wir mehr Rinder als Autos und Menschen – leider auch als Kängurus, die sich auf dieser Reise bisher noch sehr rar gemacht haben.

In Halls Creek legten wir einen kurzen Mittagsstopp an der chinesischen Mauer ein. Da ansonsten viele Attraktionen hier nur mit einem 4WD erreichbar sind und es noch sehr früh am Tag war, entschlossen wir uns noch ein paar Kilometer runterzureißen und bis Mary Pools weiterzufahren. Mary Pools soll hier als 24-Stunden-Rastplatz (keine Campingeinrichtungen außer Plumpsklos vorhanden) als Übernachtungsmöglichkeit genannt werden, da zwar die Pools ausgetrocknet waren, aber hier eine wunderschöne Abendstimmung mit „rosa-orangenem-Zauberlicht“ herrschte.

Der Folgetag brachte uns nach Fitzroy Crossing – der Fitzroy River ist einer der größten Wasserläufe Australiens. Wie uns die Tourleitung im Geiki Gorge Nationalpark stolz erzählte, würde der Fluss Sydney Harbour binnen 4 Stunden wieder volllaufen lassen, wenn man ihn leer pumpen würde. Bevor wir uns Richtung Derby aufmachten, begaben wir uns um 8 Uhr zum „early-morning-run“ (kleiner Skifahrer-Insider) auf die Bootstour auf den Fitzroy River durch den Geiki Gorge. Die Felsmassive der Schlucht gehören zu einem prähistorischen Riff, dass zur Zeit des Devon das „Great Barrier Reef“ war. Zudem gab es kleine Freshies – Süßwasserkrokodile – zu sehen. Da gerade nesting season ist sind nicht so viele Krokodile zu erspähen wie sonst.

Einen kurzen Abstecher vom Great Northern Highway entfernt liegt Derby. Berühmt ist Derby aufgrund seiner sehr hohe Tide. 11,8 Meter beträgt der Tidenhub bei besonders günstigen Konstellationen, z.B. wenn Sonne und Mond in einer Linie stehen. Eine ganz so enorme Gezeitenschwankung konnten wir nicht sehen, aber das sehr rasche Ab- bzw. Einfließen des Wassers und damit das Hoch- und Niedrigwasser in den Mangroven und am ehemaligen Werftgebäude samt Bootsanleger sowie die enorme Menge an Sediment, die dabei bewegt wird und das Wasser braun färbt. Am entspanntesten genießt man hier den Ausblick ganz gemäß der Empfehlung unseres Reiseführers von der Terrasse des Cafes an der Pier. Die Krokoburger und warmen Schokomuffins sind dazu noch verdammt lecker.

Wenige Kilometer vor Derby befindet sich eine historic site – so wie viele für die Erinnerungskultur wichtige Plätze ausgezeichnet werden: An diesem Platz laufen mehrere historische Erzählstränge zusammen. Zum einen steht hier ein prison tree. Das ist ein sehr alter, dicker, innen hohler Baobab. Zur Zeit der Verfolgung der Aboriginies, wurden diese für „Straftaten“ hier in Derby gesammelt. Auf diesen Gefangenenmärschen wurden die Aboriginies in den hohlen Bäumen eingekerkert. Während des Zweiten Weltkrieges diente der Baum den Soldaten zur Aufbewahrung kriegswichtiger Dinge. Außerdem ist hier noch Frosties Pool erhalten – ein Pool zur Abkühlung der Soldaten nach einer Idee des General Frost. Zuletzt befinden sich hier noch Viehgatter und eine Tränke. Rinder wurden über die stock routes – heute als Abenteuer per 4WD befahrbar – weite Strecken durch das Land getrieben, um von Derby aus in den Süden Australiens sowie nach den USA und Europa exportiert zu werden. Kurz vor Derby war der Platz die Tiere noch einmal weiden und trinken zu lassen und die Quarantäneuntersuchungen durchzuführen.

Wer die Augen offen hält findet auf der Strecke auch den Christmasboabtree.

Viel Spaß beim Suchen und allzeit gute Reise!

Eure

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