12 Sep

Durch Australien mit Baby – ein Zwischenbericht

Flugreise & Gepäck
Über die Reise haben wir im Artikel Unser Flug nach Sydney – der Weg ist das Ziel schon viel erzählt, das wichtigste war im Nachhinein, dass wir uns auf Noahs Bedürfnisse eingestellt haben, insbesondere was Schlaf und Essen anging.

Auf dem internationalen Flug hatten wir genug Möglichkeiten ingesamt vier Koffer mitzunehmen. Zusätzlich ist dann für das Kind noch ein Buggy und normales Handgepäck erlaubt. Schwieriger wird es bei nationalen Flügen innerhalb Australiens, bei denen wieder der Buggy kein Problem ist, für ein Baby jedoch kein Freigepäck zugestanden wird. Wir haben das noch rechtzeitig durchschaut und für den Flug Sydney – Darwin zusätzliche Gepäckstücke eingebucht, was kein Problem darstellte. Im Handgepäck konnten wir ALLES was fürs Baby gedacht war mitnehmen, auch Flüssigkeiten von mehr als 100 ml. An keiner Kontrolle gab es damit Probleme.

Zeitverschiebung
Die Zeitverschiebung war eigentlich kein Problem, im Flugzeug lief alles mehr oder weniger nach deutscher Zeit, in Australien angekommen konnten wir direkt umstellen, Noah hat sich seinen Schlaf geholt, wann er ihn brauchte. Nur die erste Nacht war er unruhiger als sonst. Insgesamt haben wir uns über eine Woche Zeit genommen, bevor wir in den Campervan gezogen sind, sodass wir keinen äusseren Zwang hatten die Zeit einzuteilen.

Campervan & Kindersitz
Kinder müssen in einem in Australien zugelassenen Kindersitz transportiert werden. In Australien dürfen Kinder nicht vorne sitzen, müssen also auf einen hinteren Sitz. Dies führt bei manchen Campern dazu, dass das Kind ganz hinten im Auto, also 4-5 m hinter dem Fahrer und Beifahrer, wenn er oder sie es dann aushält, sitzt. Die Klimaanlagen dieser Autos reichen nicht bis dahin, sodass es in der Fahrerkabine angenehm temperiert ist, das Kind aber schwitzt. Wir haben lange nach einem Campervan gesucht, bei dem es anders ist und unsere Idee ist optimal aufgegangen.

Wir sind mit einem umgebauten Mercedes Sprinter unterwegs, der den dritten Sitz direkt hinter dem Fahrer hat und der Beifahrer im Fahrzeug nach hinten gehen kann. Die Klimaanlage reicht gut bis zum dritten Sitz, sodass Noah bei angenehmen 26 °C sitzen kann. Meist passen wir die Fahrtzeit so ab, dass er schläft. Der dritte Sitz wird am Abend dann zu seinem Bett umgebaut, idealerweise direkt am zu öffnenden Fenster mit Fliegengitter, sodass in der Nacht die Abkühlung auch bei ihm ankommt.

Der Babysitz ist funktionell, aber das Theater darum eine Lachnummer. Deutsche Babysitze erscheinen uns viel solider und durchdachter und es ist nicht zu verstehen, dass sie in Australien nicht zugelassen sind. Weiteres folgt zu diesem Thema unter „Skuriles und Merkwürdiges“ .

Essen & Windeln
Wir haben einen reichlichen Vorrat an Pampers, Babygläschen und Getreidepulver mitgenommen, was einen enormen Platz im Gepäck eingenommen hat. In Australien gibt es auch Babys und – was Wunder – auch Nappies und Babyessen in fast jedem mittelgroßen Markt. Letztlich bin ich in Pine Creek, 300 Einwohner, in den Grocer Shop des Ortes gegangen. Auch hier hätten wir uns so versorgen können, das Noah nicht verhungert und trocken in die Welt schauen könnte. Allerdings hilft der kleine Vorrat in den ersten Tagen, an denen man noch nicht so organisiert ist über die Runden – insbesondere, wenn man so eine kleine „gefräßige Raupe“ als Sohn hat wie wir.

Zu Beginn ener längeren Etappe sollte man sich in einem der großen Supermärkte, Woolworth oder Coles eindecken, da dort die Auswahl natürlich viel größer ist. Als optimal haben sich die Quetschtütchen mit allen möglichen Geschmackssorten in Bioqualität (Macrobaby organic) herausgestellt. Gut und viel leichter als Gläschen zu transportieren, schnell und überall in heißem Wasser aus dem tragbaren Gläschenwärmer – funktioniert wie eine Thermoskanne – zu erwärmen und köstlich im Geschmack. Mittags gibt’s dann ein ausgewogenes Mahl in Breiform, nachmittags Obst aus der Quetschtüte gemischt mit in heissem Wasser gelösten Qickoats (ähnlich wie unsere Schmelzflocken). Wunderlich nur, dass die Quetschtütchen nur 120ml enthalten. Entweder kommen die australischen Babys mittags nur mit der Hälfte der normalen Menge aus oder sie werden häufiger gefüttert. Das Rätsel ist noch offen. Fazit: wir hätten viel Gepäck sparen können.

Nachbemerkung: das Getreidepulver ist sowieso nur aufgrund Jules und Noahs charmantem Auftretens nicht kontrolliert worden und konnte daher eingeführt werden.

Hilfreich ist zudem eine Sitzerhöhuung mit Gurt, sodass bei der Hitze Noah während der Mahlzeiten nicht immer auf dem Schoß sitzen muss. Er kann mit uns am Tisch sitzen. Das Luftpolster kann je nach Bedarf die Höhe ausgleichen und durch die Gurte, kann dieser Kindersitz jeden (Camping)Stuhl zum Kinderstühlchen werden lassen. Zudem ist es zusammenfaltbar und dadurch leicht zu verstauen.

Klima & Babytransport
Zum Teil gehen hier die Temperaturen bis 38 °C hoch. Die Luftfeuchtigkeit ist in der sogenannten Dry Season deutlich geringer, als wir sie so kennen. Die Sonneneinstrahlung ist dagegen deutlich höher. In erster Linie führt das zu einem erhöhtem Flüssigkeitsbedarf und der Notwendigkeit Sonnencreme und jeden Schatten zu nutzen.

Wir haben das so gelöst, dass wir uns Zeit für die Akklimatisierung genommen haben, wie gesagt, wir hatten eine Woche, bevor wir in den Wagen umgezogen sind, dann sind wir die erste Woche nur kurze Strecken gefahren. Jetzt sitze ich schon bei 22 Grad mit Jeans und Jacke vor dem Camper und Noah hat seinen Schlafsack an. Temperaturen um 38 Grad fühlen sich warm an, 32 Grad erschienen uns heute bei der Fahrt mit offenem Fenster als sehr angenehm. Wir kontrollieren regelmäßig, ob Noah überwärmt ist, aber auch er hat meist einen kühlen Kopf ohne deutlich zu schwitzen.

Wenn wir zu Fuß unterwegs sind, sitzt Noah in einer Krakse auf meinem Rücken, die einen vom Rücken getrennten Sitz mit dem Vorteil hat, dass die Luft optimal zirkulieren kann. Durch eine Art Dachkonstruktion liefert die Krakse den Schatten für Noah ständig mit. Ausserdem trägt Noah eine Art Safarihut, obwohl er da oft anderer Meinung ist als wir. Der Vorteil gegenüber dem Kinderwagen liegt im unwegsamen Gelände auf der Hand, zu dem ist das Kinderwagendach meistens nicht ausreichend um für Schatten zu sorgen.

Jule und ich haben uns auch recht schnell einen Hut gekauft. So können wir uns auch im heißen Nationalpark bewegen. Zur Abkühlung versuchen wir einmal am Tag schwimmen zu gehen, was auch meist in krokodilfreien Gewässern oder in den Pools der Campingplätze gut klappt. Hierzu muß gesagt werden, dass ein speziell für Babys zugeschnittener Schwimmring einem das Leben im Wasser richtig gut erleichtern kann. So können wir auch in tieferem Wasser gefahrlos mit Noah schwimmen.

Sonnenschutz ist allgegenwärtig und überall zu kaufen. Wir nutzen SSF 50+ für alle. Bis jetzt hat es durch diese Maßnahmen noch keinen Sonnenbrand gegeben.

Für Noah und uns haben wir immer genug zu trinken im Gepäck. Wir achten darauf, dass die Touren nicht zu lang sind, wir genug Pause machen und Noah alle halbe Stunde ausreichend trinkt. So sitzt er meist quiekend oder erzählend in der Krakse und freut sich wie auf einem Kamel geschaukelt zu werden.

Schlafen im Camper – Sicherheits- und Mückenvorrichtung für Babys
Ein Baby im Camper sicher unterzubringen ist nicht so einfach, es sei denn es soll mit im eigenen Bett schlafen. Wir haben dazu ein Bettzelt = Reisebett mitgenommen, das auf dem dritten Bett festgeschnallt steht und aus dem Noah einerseits nicht rausfallen kann, andererseits die Wände aus Mückengitter bestehen, sodass bei guter Belüftung eine Mückenabwehr besteht.

In der Abenddämmerung haben wir das Mückenproblem noch nicht 100% im Griff, zum Glück gibt es genug Orte, wo es wegen der Hitze und abendlicher Zugluft überhaupt keine Mücken gibt. Gibt es welche, sehen wir das jeweils sehr schnell an unseren einheimischen Nachbarn, die früh kochen und sich dann auch früh in den Wagen oder ins Zelt zurückziehen. Inzwischen machen wir es genauso und haben die Stiche auch deutlich reduziert. Das pflanzlich basierte Mückenspray für Jule und Noah wirkt bedingt. Ich habe ein chemisch basiertes Spray, das die Mücken bis jetzt ganz gut abhielt. Allerdings bin ich auch ohne Spray immer der letzte der gestochen wird. Die Mücken haben eben auch einen guten Geschmack.

Euer

 

 

 

Wer hier weterlesen möchte, kommt zu den Produktinformationen zu den Dingen, die wir nicht mehr missen möchten.

Unsere Krakse ist von Osprey. Das Model heißt Poco AG und wiegt 3130 g. Mit 73 x 38 x 43 cm (29,5 cm zusammengeklappt) hat die Krakse leider keine Handgepäckmaße. Wir haben sie einfach in Noahs große Reisetasche gepackt und während der Flugreise ausgestopft um dennoch möglichst viel Stauraum nutzen zu können. Wir haben auch andere Tragesysteme ausprobiert, wie die Babytrage von Ergobaby, Model Adapt oder die Manducca Sling – jedoch war Noah schon immer so ein „Schwitzer“, dass er es nie lange, auch ohne sportliche Betätigung, in der Enge dieser Tragesysteme ausgehalten hat. Seit er sitzen kann, ist die Krakse für uns eine tolle Bereicherung für sportliche Aktionen.

Den Schwimmring haben wir über unseren Babyschwimmkurs gefunden. Er heißt Schwimmtrainer von Freds Swim Academy (www. Schwimmtrainer.com). Das Baby liegt in diesem Schwimmring auf einem Luftpolster. Es wird festgeschnallt und kann nicht herausrutschen. Der Vorteil gegenüber Schwimmringen, in denen das Baby sitzt ist, dass es beim Plantschen und toben im Wasser nicht das Übergewicht bekommen kann und samt Schwimmhilfe umkippt. Selbst im tiefen Wasser haben wir uns bisher immer sicher gefühlt. Eine optimale Ergänzung für Australien sind ein Schwimmshirt und ein Sonnenhut fürs Wasser.

Zum Erwärmen der Mittagsmahlzeiten haben wir den Glässchenwärmer von Avent an Bord. Dieser besteht aus einer Thermoskanne und einem Plastikbecher mit Verschluss. Möchte man eine Mahlzeit erwärmen, stellt man diese einfach in den Plastikbecher, füllt das heiße Wasser ein und verschließt den Deckel. Bei den australischen Quetschepäcken funktioniert das noch viel besser und schneller als bei den Gläschen in Deutschland. Ich verstehe nicht, warum es diese praktische Form der Nahrunsgsaufbewahrung nicht auch bei uns gibt – es ist viel leichter für den Transport und auch noch leichter zu erwärmen. Zur Not kann das Baby auch die Nahrung dirkt aus dem Päckchen saugen.

Ein optimale Ergänzung dazu sind die abwaschbare Lätzchen von babylove/dm. Hier geht ein Dank an unsere umsichtige Freundin Rebecca, die uns noch kurz vor der Reise damit ausgestattet hat!

Bei der Sonnencreme haben wir uns für Noah für die Kindervariante von Avene entschieden. Bereits im Winter hatten wir diese für die Schneewanderung am Ifen ausprobiert. Für den Sommer und Australien haben wir eine große Pumpflasche angeschafft, diese ist sehr ergiebig und reicht noch immer. Bald werden wir hier eine australische nachordern müssen.

Das Reisebett, auf das wir nach einem Jux gestoßen sind („dann schläft Noah eben im Koffer, da kann er nicht rausfallen“) ist eine Popupzelt mit Fliegengittereinsätzen der niederländsichen Firma Deryan. Es soll für Kinder bis 120 cm geignet sein, dazu können wir noch nichts sagen, das müssen wir abwarten wie lange sich Noah in seiner Schlafhöhle wohl fühlt. Bisher schläft er darin aber sehr gut – das Bett hatten wir schon in Thüringen, in den Domburg, in Berlin, auf Sardinien (es passt tatsächlich in den Koffer plus Klamotten!) und nun auch in Australien dabei. Zum Lieferumfang gehört eine selbstaufblasbare Isomatte, die Unfallsicher in ein extra Reisverschlussfach eingeschoben wird und eine Steppunterlage, die mit Klett befestigt wird. Wer nach dem schnellen Aufbau – einfach Gummi abziehen und loslassen, das erste Zusammenbauen – Dank Videoanleitung geht auch das unter 2 Minuten – gemeistert hat, kann damit losfahren.

Unser portables Kinderstühlchen stammt von Roba. Es lässt sich auf jedem Stuhl mit Lehne durch Gurte befestigen. Es besteht aus robustem, abwaschwarem Stoff, was das Gewicht reduziert. Der Sitz lässt sich durch ein Luftpolster erhöhen, sodass die Kinder auch über die Tischkante schauen können. Zudem ist ein Beckengurt vorhanden, mit dem das Kind festgschnallt werden kann. Dass das Baby selbstständig sitzen kann, ist natürlich auch hier die Voraussetzung zur Nutzung.

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