04 Sep

Von Kakadu nach Kununurra – traumhafte Landschaften und chillige Dörfchen

Pinee Creek – kulinarische Genüsse im Lazy Lizzard
Kleine und verschlafene Dörfchen werden wir wohl auf unserer Westaustralientour noch so einige sehen. Allerdings erliegen wir immer wieder dem Charme und Chill dieser kleinen Nester und Campgrounds – das liegt zum Teil daran, dass nicht alles immer neu ist, zum Teil improvisiert oder auch schon (ur)alt. Mit knapp 380 Einwohnern ist Pine Creek gar nicht mal so klein, es geht noch geringer – siehe unten Timber Creek, hier leben nur knapp 70 Menschen, von denen man direkt schon drei beim Caravanpark-Check-in kennenlernt.

Viele dieser kleinen Siedlungen verdanken ihr heutiges Dasein der europäischen Besiedlungsgeschichte Australiens. Während des Baus der Telegraphenlinie von Darwin nach Adelaide wurde beim Setzen eines Mastes zufällig Gold gefunden – der Beginn des Goldrausch in Pine Creek und andern kleinen Dörfchen – die Suche nach Gold hält zum Teil bis heute an. Was folgte war eine Hochzeit getragen von einem wirtschaftlichen Aufschwung rund um die Mine. Sogar ein „chinesisches Viertel“ gab es, da Chinesen als billige Arbeiter angeworben wurden. Das kleine (leider) ungepflegte Museum der Stadt, dass im ältesten Wellblechfertighaus (eingeschifft aus Großbritannien) untergebracht ist, erzählt von dieser Geschichte mit einigen Exponaten und Schautafeln. Auch das geschlossene Eisenbahnmuseum vermitteln, dass selbst der Tourismus in Pine Creek schon bessere Zeiten gesehen hat.
Kaum zu verstehen, wenn man im Lazy Lizard abgestiegen ist: Tanke, Shop, Campground mit Pool und uriges Restaurant mit hervorragenden Gerichten in einem – der Barramundi mit einer Kruste von Macadamianüssen und getrockneten Tomaten mit Kartoffeln in Spinat-Sahne-Soße war hervorragend!
Erneute Bedeutung erlangten diese kleinen Dörfchen während des Zweiten Weltkrieg, als hierüber die Kommunikation, Nachschub, Krankenversorgung, Stationierung der Soldaten, etc. geregelt wurde.

Katherine Gorge Nationalpark- chilliges Buschcamp an den Edith Falls
Nur wenige Kilometer dem Stuart Highway folgend erreicht man wiederum ein kleines Tropenparadies am nordwestlichen Rand des Katherine Gorge Nationalpark. Ein Badeloch mit Wasserfall lädt zum Baden ein und der angeschlossene Campground nur mit unpowerd sites zum Verweilen. Witzig, dass im Kiosk auch wenn man der einzige Kunde ist, die Bestellung des Sandwich mit Vornamen a la Starbucks personalisiert wird – grins.
Die kleine Wanderung zum upper pool hat Noah durch ein Spontanschläfchen nach dem Schwimmen im lower pool dann vereitelt, so dass wir zum relaxen im Schatten mitten im nirgendwo „gezwungen waren“ – Buch lesen, Beine hoch, mit Blick auf den Busch und die glutrot untergehende Sonne, mit leckerem Essen vor der Nase und anschließend Sternenhimmel und kein Licht das dabei stört….wir könnten es schlechter treffen!

Katherine Gorge Nationalpark- tiefe Schlucht und tausende Fledermäuse
Da wir leider kein geländetaugliches Auto fahren – uns aber fleißig jeden Tag Touren ausmalen, die wir mit unserem zukünftigen 4WD irgendwann in den nächsten 5 Jahren machen wollen – konnten wir nicht direkt quer durch den Nationalpark zu den bei Trockenzeit 13 Schluchten des Katherine River fahren, sondern mussten den Nationalpark verlassen um weiter südlich erneut einzufahren.
Mit zwei Booten und einmal umsteigen ging es dann gemütlich 2 Stunden lang durch 2 Schluchten des Katherine River vorbei an imposant aufragenden roten Sandsteinformationen.

Auf dem Weg zum Bootsanleger fielen uns schon die unglaublich vielen Fledermäuse auf, die in jedem der Bäume hingen. Da wir in Thailand einmal erlebt hatten, wie zum Sonnenuntergang tausende Fledermäuse auf einmal eine Höhle verlassen haben, um auf ihre nächtliche Futtersuche zu gehen, spekulierten wir auf ein ähnliches Schauspiel auch hier und buchten uns im Campground direkt am Besucherzentrum des Katherine Gorge Nationalpark ein.

Und tatsächlich, pünktlich zum Sonnenuntergang um 18.30 Uhr erhoben sich die ersten Fledermäuse aus den Baumwipfeln. Wir schlichen uns auf die Terrasse des bereits geschlossenen Visitor Centers, die einen guten Blick über den Flusslauf hinab zu den Schluchten hat. Von dort her kamen immer mehr Fledermäuse bis in einem breiten Band tausende und abertausende Fledermäuse flussaufwärts an uns vorbeizogen. Im Hintergrund ging über den Bergen gerade in sämtliche rosa-, rot- und orangetönen die Sonne unter. Zusammen ein atemberaubendes und wunderschönes Naturschauspiel.
Der Litte Red Flying Fox ist nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr, wenn bestimmte Blumen blühen, von deren Nektar sich die Fledermäuse ernähren, hier an den Schluchten zu finden. Und wir hatten das Glück es miterleben zu können! Nach ca. einer Stunde hatten sich alle Fledermäuse in die Luft erhoben und das Spektakel war vorbei.

Katherine – baden in den Hot Springs
Katherine selber ist im Vergleich zu anderen Ansiedlungen fast schon als pulsierende Stadt zu bezeichnen. Nach einem Abstecher in das Katherine Museum, dass über die Pioniere der Besiedlung Australiens durch die Europäer berichtet – hier zum Beispiel über Dr. Clyde Fenton, den ersten Flying Doctor für das Outback, der auch sein eigener Pilot war und direkt mal mehrere Abstürze seiner Maschinen überlebt hat. Nach einem Mittagspäuschen im Schatten mit „very british“ Tee und Scones mit Erdbeermarmelade und Schlagsahne und einem Abstecher in die Shopping Mall um Sonnencreme, Babyessen und Wasser nachzufüllen, war noch Zeit für ein erholsames Bad in den Hot Springs. Wobei im Vergleich zu den isländische Geothermalquellen hier der Begriff etwas weit ausgelegt ist. Statt bei 42°C wie es in isländischen Hot Pots üblich ist, badet man hier in angenehmen 32°C warmen Wasser, da sich die warmen Quellen mit dem Flusswasser des Katherine River vermischen.

Victoria River Crossing – rote Sandsteinklippen
Mit der Abreise aus Katherine verfolgen wir nun den Victoria Highway weiter. Die Siedlungen und Sehenswürdigkeiten werden nun immer spärlicher und die Fahrstrecken dazwischen immer weiter. Unser Weg führte uns heute morgen durch eine ganz andere Landschaft. Das Buschland wurde abgelöst durch die hoch aufragenden roten Sandsteinklippen des Victoria River Gebietes. Nach einem Zwischenstopp am Victoria River Roadhouse ging es weiter nach Timber Creek.

An Roadhäusern selber könnte man schon ganze Tage verbringen um zu beobachten, wer hier so ankommt und abfährt: Neben einer sehr schrägen britischen Rentnerreisegruppe mit polnisch stämmiger Reiseleitung, die über das Gelände flitzte um Vögel zu fotografieren, konnten wir noch riesige kombinierte Pferde-Wohnwagen-Caravans beobachten.

Timber Creek – 70 Einwohner und ein berühmter Affenbrotbaum
Timber Creek mussten wir als Zwischenziel unserer Reise auswählen, da wir mit Noah nicht so lange Touren fahren können – an langen Fahrtagen sind zwei Mal zwei bis drei Stunden das Limit – häufig passt das mit seinem Vormittags- und Mittagsschläfchen zusammen. Timber Creek wäre wohl auch in völliger Vergessenheit versunken, wär da nicht Augustus Charles Gregory mit der Tom Tough hier gelandet, damit das Expeditionsschiff mit den hier wachsenden Bäumen repariert werden konnte. Bei dieser Gelegenheit verewigte sich die Crew mit den Ankunfts- und Abreisedaten im Stamm eines Affenbrotbaumes, der dadurch bis heute Ruhm erlangt. Nach einer kurzen 5 minütigen Wanderung durch einen Wald kleiner dicker und großer schlanker Boab Trees – nach einem weniger kurzen Stück durchrüttelnder gravel road – konnten wir die eingeritzten Daten lesen: 1855 – 2 Juli 1856.

Grenze zwischen Northern Territory und West Australien – Quarantine Checkpoint
Wir hatten ja bereits in Deutschland gelesen, dass es verboten ist Obst und Gemüse vom Northern Territory nach Western Australia einzuführen. Allerdings haben wir uns mit dieser Information nicht näher beschäftigt. Heute war es allerdings soweit: Kurz vor Kununurra passierten wir die Grenze vom NT nach WA und damit auch den Quarantänecheckpoint. Seit Tagen leerten wir also brav alle unsere frischen Sachen: Äpfel, Bananen, Birnen, Orangen, Zitronen, Gurken, Tomaten, Möhren, Süsskartoffeln – eben alles was man für eine ausgewogene Camperernährung so braucht. Heute morgen gab es noch ein kräftiges Frühstück mit Rührei, Dennoch gab es ein paar Dinge, die wir partout nicht aufbekamen: Honig und restliches Obst konnten wir zum Glück verschenken, Zwiebeln und Knoblauch mussten wir bei der Kontrolle – tatsächlich kommt ein Kontrolleur in jedes Auto – dem Mülleimer überantworten. Alle anderen fraglichen Dinge wie Erdnussbutter – Nüsse sind verboten – und Bananenchips – frische Bananen gehen nicht, processed food dann aber wieder doch – durften wir behalten.
Hintergrund der ganzen Aktion ist, dass in Westaustralien Obst angebaut wird und schädliche Fruchtfliegen hier nicht vorkommen und damit diese nicht eingeschleppt werden, darf nichts, das potenziell gefährdend für diesen Status ist, eingeführt werden.
Bevor wir nach dieser Kontrolle nach Kununurra weiterfahren, sind wir kurz nach der Grenze zum Lake Argyle abgebogen. Von hier melden wir uns beim Nächsten mal!

Allzeit gute Reise
Eure

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