12 Nov

Hoch hinaus in den Southern Forests

Undenkbar! Wir haben einen Karribaum erklettert. Nur über Stahlsprossen und ohne sonstige Sicherung haben wir den Diamond und den Gloucester Tree bis in luftige Höhen von 52 bzw. 61 Metern Höhe erklommen.
Auf unserem Weg von Augusta Richtung Albany durchfuhren wir die Southern Forests – hier wachsen hauptsächlich Eukalyptusbäume mit so schön klingenden Namen wir Karri, Marri, Jarrah und Tingle. Die Größten sind die Karri Trees, die es im Schnitt auf Wuchshöhen von bis zu 60 Metern, im Extremfall bis zu 90 Metern schaffen und die Red-Tingle Trees, die bis zu 70 Metern hoch werden können. Zur Brandbeobachtung wurden Bäume mit Aussichtsplattformen versehen. Um diese zu erklimmen wurden Stahlsprossen in den Baum geschlagen. Für einen ungehinderten Aufstieg und eine freie Sicht wurde der Baum seiner Krone beraubt. Doch anscheinend hat das diesen Bäumen nicht geschadet, denn seit ihrer „Stilllegung“ als Brandbeobachtungsbäume sind ihnen neue Äste gewachsen, die auch Laub tragen.
Seit Anfang der 70er Jahre, seitdem die Brandbeobachtung vom Flugzeug aus erfolgt, sind die Bäume nicht mehr im Einsatz, nur Anfang der 90er Jahre in einem extrem trockenen und warmen Sommer wurden sie noch einmal reaktiviert. Seitdem sind sie eine Touristenattraktion in der Nähe von Pemberton und können von wagemutigen und schwindelfreien Baumkletterern bestiegen werden. Wir zählen jetzt dazu! Nacheinander haben wir uns in die luftigen Höhen begeben und wurden mit einem ordentlichen Adrenalinkick und einer fantastischen Aussicht zunächst in die einzelnen Etagen des Waldes und zuletzt über den Wald belohnt.

Noahs Interesse lag eher auf den vielen Stöcken am Boden, die sich herrlich zum Spielen eignen. Ach war das Geheul groß, wenn wir weiter gefahren sind und die Äste zurücklassen mussten. Noch weiß er ja nicht, dass zu Hause Berge von großen und kleinen Ästen direkt vor der Haustür auf ihn warten.

Eine etwas entspanntere Sicht auf den Wald, die wir nun auch als Familie gemeinsam genießen konnten, hatten wir auf dem Tree Top Walk im Valley of the Giants bei Denmark („Bei“ heißt hier in einer sportlichen Entfernung von 60 km – aber das sehen die Aussies nicht so eng. „Alles relativ.“, wie ein weissbärtiger Aussie einmal voller Lebensweisheit anmerkte. Zustimmendes nicken unsererseits). Über Stahlbrücken läuft man am höchsten Punkt des Rundgangs durch die Baumwipfel der Red Tingle Trees. Noah – sicher verstaut in der Kraxe auf Ullis Rücken – hatte einen riesigen Spaß in luftiger Höhe und zusätzlich durch den Wind schwankend durch den Wald zu laufen. Wir fanden es auch so eindrucksvoll, dass wir direkt noch eine zweite Runde auf dem 600 Meter langen Rundkurs gedreht haben.

Die Southern Forests sind aber nicht nur von oben spannend zu betrachten, man kann auch noch tiefer in sie eintauchen. Wir haben das zum Einen im Big Brook Aboretum Campground gemacht. Hier wurden wir von einem sehr engagierten Rentnerehepaar empfangen, die als Volunteers diesen nationalparkähnlichen Campground betreuen. Unter den riesigen Bäumen fanden wir ein gemütliches Plätzchen für eine Nacht. Gegen Abend wurde ein Lagerfeuer entzündet, an dem sich alle Camper zum Erzählen eingefunden haben. Neben uns waren auch noch andere Familien und Rentnerehepaare anwesend, mit denen wir einen unvergesslichen Abend mit netten Gesprächen und Lagerfeuerromantik hatten.

Eine andere Variante den Wald und die Größe der Bäume zu erfassen sind einzelne Bäume, die besucht werden können: Der Big Karri ist ein 300 Jahre alter Baum, der wie der Name schon sagt, ein besonders hohes Exemplar ist. Der Giant Tingle Tree ist nicht besonders hoch, hat aber einen Umfang von knapp 23 Metern. Zusätzlich ist er von 2 Feuern ausgehöhlt, so dass man locker hindurchschreiten kann oder einen VW-Bus darin parken könnte. Die einstige One-Tree-Bridge über den Donelly River wurde 1904 erbaut, um einen Übergang für Bullenwagen von der nahen Graphitmine nach Manjimup zu haben. Für die Brücke wurde ein Karribaum so kunstvoll gefällt, dass er die Flussufer verband, anschließend wurde er noch mit Planken versehen. Bis 1948 wurde diese Brücke genutzt und dann durch eine Ersatzbrücke, die 1970 asphaltiert wurde, ersetzt. Die Unterkonstruktion besteht allerdings immer noch aus Holz.

Allzeit gute Reise!
Eure

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