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Noch am Abend erreichten wir das Ziel des dritten Tages und schaukelten uns vor Anker durch die Nacht.

Da der Tiedenhub zwischen 11 und 12 Meter beträgt, können manche Ziele nur bei Flut, andere nur bei Ebbe erreicht werden. Unsere Tagesplanung hängt also ganz von der jeweiligen Tide ab. So klingelte heute der Wecker um 5.50Uhr. Yoga zum Sonnenaufgang war um 6.00Uhr, dann kam nach einem raschen Frühstück der erste Ausflug des Tages mit den Tenderbooten zum Montgomery Reef, ein fast rundes Riff mit einem Umfang von etwa 400km.

Das Riff fällt bei Ebbe trocken und die Korallen kommen aus dem Wasser. Sie leben zu ihrem Schutz vor der Sonne in einer Symbiose mit einer Alge, die Wasser speichert, damit die Korallen nass hält und Schatten spendet. Dadurch sind die eigentlich bunten Korallen mit einer braunen Schleimschicht überzogen. Bei Ebbe fließt das Wasser von dem 2-4 Meter über dem Meeresspiegel liegendem Plateau ins Meer. Dabei graben sich kleine Bäche und Kaskaden in das Riff hinein. Ein anschauliches Beispiel, wie sich unsere Landmassen formen. An den Bächen und auch an deren Eintritt ins Meer warteten Vögel und auch Krokodile auf ihr Frühstück. Bei Flut ist von all dem nichts zu sehen.

Die zweite Tendertour des Tages führte uns in die ausgedehnten Mangrovenwälder der Three Ways zum Fischen von Mud Crabs. Dabei krabbeln die Krabben recht schnell in mit Ködern bestückte Körbe und bleiben beim Herausholen darin hängen. Nach zwanzig Minuten hatten wir etliche gefangen, es dürfen aber nur Krabben mit einer Panzerbreite von 12cm gefangen werden. Das waren dann in erster Linie männliche Tiere. Alle anderen wurden ins Meer zurück geworfen.

Krabbenfangen ist recht einfach, kompliziert werden kann es durch die Krokodile, die ebenfalls durch die Köder angelockt werden und nach einiger Zeit ziemlich gut wissen, wo die Menschen Krabben fangen wollen.

Die Australier nennen sie dann „smart crocodiles“. Solange man sie sieht, gibt es keine Probleme, wenn sie allerdings abtauchen, können sie auch plötzlich angreifen. Da sitzt man auf dem Boot und lässt die Hände lieber von der Reling weg. Gleichzeitig beschleicht einen ein wenig das Gefühl, das wir alle vom Film „Der weiße Hai“ kennen.

Auf dem Weg zurück ins offene Meer liegen zwei imposante Inseln: Steep Island und Raft Point. Beide gehören zum Nationalpark und dürfen nicht betreten werden. Hier lebte bis vor einhundert Jahren ein Stamm der Ureinwohner, die wegen der Körpergröße von über zwei Meter bekannt wurden. Warum sie dann plötzlich ausgestorben sind, beschäftigt bis heute die Wissenschaftler. Die Gegend ist so abgelegen, dass zu der Zeit kein Weißer daran beteiligt gewesen sein kann. Übergeblieben sind Jahrtausend alte Zeichnungen, Rock Arts, unter den Überhängen der Felsenwände. Heute stehen sie unter strengstem Schutz, es wird überwacht, ob dort jemand anlegt.

Euer